Gewerbe

Stellen wir diese Frage, muss zunächst geklärt werden, wie sich der Begriff „Gewerbe“ überhaupt definiert. So werden wir feststellen, dass jede Tätigkeit im wirtschaftlichen Sinne, die auf einen wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtet ist und auf eigene Verantwortung durchgeführt wird, als Gewerbe zu bezeichnen ist. Zumindest ist dies die rechtliche Definition. Landläufig und im engeren Sinn wird mit Gewerbe die produzierende, verarbeitende und dienstleistende Industrie bezeichnet. Diese Tätigkeiten sind durch Planmäßigkeit und einer Dauerhaftigkeit geprägt. Wird die Tätigkeit nur ab und an durchgeführt, kann noch nicht von einem Gewerbe gesprochen werden. Jedoch kann eine saisonbedingte Arbeit als Gewerbe betrachtet werden. Das beste Beispiel ist hier das Betreiben einer Eisdiele in den Sommermonaten. Es ist nicht zwingend notwendig, dass in den Wintermonaten eine andere Verkaufstätigkeit ausgeführt wird.

Zudem gibt es ein Kriterium, das die Tätigkeit an sich betrifft, das zwingend erfüllt sein muss: Die Tätigkeit muss im rechtlichen Sinne „erlaubt“ sein. Wer eine verbotene Tätigkeit versucht als Gewerbe anzumelden, wird stets mit einer Anzeige rechnen müssen. Ausgenommen von dieser Verordnung sind Tätigkeiten, die zwar als anstößig oder unsittlich gelten, wie die Prostitution. Gemäß Gesetzgeber handelt es sich zwar um ein Gewerbe. Umstritten ist diese politische Entscheidung dennoch.

Do‘s und Don‘ts in Bezug auf das Gewerbe

Um ein Gewerbe betreiben zu können, ist es notwendig, einen Gewerbeschein beim zuständigen Ordnungsamt zu beantragen. Je nach angestrebtem Gewerbe kann dieser vollkommen unkompliziert ausgegeben werden oder erst nach einer ausgiebigen Prüfung.

Natürlich gibt es hinsichtlich der gewerblichen Ausführung einer Tätigkeit klare Vorschriften und Verordnungen, sodass für jeden Gewerbetreibenden ein klar umrissener Raum entsteht, in dem er sich bewegen kann. Dies betrifft nicht nur seine eigene Arbeit, sondern auch die seiner Angestellten, so welche vorhanden sind. Unter anderem ist daher von jedem Gewerbetreibenden darauf zu achten, dass seine Angestellten, auch wenn es sich lediglich um zeitlich begrenzte Aushilfen handelt, korrekt bei den entsprechenden Behörden angemeldet werden. Schwarzarbeit wird mit empfindlichen Strafen belegt.

Es wird in Bezug auf die Gewerbewirtschaft oftmals von der Außenwirkung gesprochen. Hierbei handelt es sich um die offensichtliche Absicht, ein Gewerbe zu betreiben, sodass dies auch von Außenstehenden problemlos erkannt werden kann.

Die Gewinnerwirtschaftung ist nicht nur ein Do, sondern tatsächlich ein Must. Wird eine Tätigkeit nur zur reinen Kostendeckung betrieben, kann es nicht als Gewerbe betrachtet werden. Es wird also erwartet, dass ein Überschuss erwirtschaftet wird. Anderenfalls wird es gemäß Steuerrecht als „Liebhaberei“ bezeichnet. Auch Tätigkeiten, die zu wohltätigen Zwecken durchgeführt werden, gehören demnach nicht zum Gewerbe. Dies ist auch dann der Fall, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden. Um die Gewinne dem Finanzamt regelmäßig zu melden, ist eine korrekte Buchführung notwendig. Wer sich damit nicht selber auskennt, ist gut beraten, einen Steuerberater mit diesen Aufgaben zu beauftragen. Er kennt sich bestens aus und ist auch stets über alle Neuerung des Steuerrechts informiert. Mit seiner Unterstützung kann dieser Punkt auf keinen Fall schief gehen. Man braucht ihn sowieso, da in Deutschland für jeden Gewerbebetrieb Buchführungspflicht besteht.

Grundsätzlich gilt jemand als gewerbetreibend, wenn er seine Arbeitszeit selber bestimmen. Zudem ist es ihm möglich, seine Arbeit vollkommen frei und unabhängig zu gestalten. So ist ein einziger Klient, der die Arbeitsweise konkret vorgibt und vielleicht im eigenen Betrieb fertigen lässt, nicht ausreichend, selbst wenn 8 Stunden und mehr für ihn gearbeitet wird. Jede weisungsgebundene Arbeit wird als Arbeitsverhältnis angesehen und würde als Scheingewerbe bezeichnet werden.

Sind diese Kriterien erfüllt, spricht man von Gewerbewirtschaft. Doch gibt es Ausnahmen, die zwar ähnlich erscheinen, aber anders gehandhabt werden.

  • Tätigkeiten in der Urwirtschaft,  hierzu gehören die Landwirtschaft und die Fortstwirtschaft
  • Wissenschaftliche und künstlerische Tätigkeiten (eventuell sind diese bereits unter den freien Berufen aufgeführt)
  • So genannte Freie Berufe: Zu ihnen gehören Tätigkeiten, die etwa eine besondere Ausbildung und somit eine höhere Bildung fordern. Diese ermöglicht ihnen das Erbringen von Dienstleistungen höherer Art. Allerdings ist es nicht einfach, die Freien Berufe konkret zu benennen. Denn gemäß Einkommenssteuergesetz gehören verschiedene Berufe in diesen Bereich, wie beispielsweise Tierärzte, Zahnärzte, Steuerberater, Fotografen, Reporter, aber auch Architekten und verschiedene Ingenieure. Auch werden Heilpraktiker gemäß Einkommenssteuergesetz als Freiberufler anerkannt. Gemäß Gewerbeordnung hingegen gehören sowohl Apotheker als auch Heilpraktiker NICHT in den Kreis der Freiberufler. Dies scheint in unterschiedlichen Regionen variabel gehandhabt werden. Wer sich für einen dieser Berufe interessiert, sollte dies mit dem Steuerberater bzw. direkt mit dem Ordnungsamt sowie dem Finanzamt klären. Eine schriftliche Bestätigung über die Zuordnung ist sinnvoll.
  • Gewerbe, die einer Konzession bedürfen, können erst betrieben werden, wenn diese vorliegt. Sie wird für gewöhnlich vom zuständigen Ordnungsamt nach eingehender Prüfung vergeben. Hierzu gehören Gaststätten, Spielhallen und Spielbanken, privat geleitete Krankenhäuser, Vermittlung von Finanzanlagen und der Handel mit Waffen jeglicher Art. Verschiedene andere Verordnungen spielen in der Erteilung der Konzession mit. Die Prüfungen sind sehr streng. Sollte es zu einer Konzessionserteilung kommen, wird in unregelmäßigen Abständen unangemeldet kontrolliert, ob alle Auflagen nach wie vor eingehalten werden.

Ein kleines Fazit

Ohne die Gewerbewirtschaft kann es keinen Handel, keine Dienstleistungen, keine Produktion geben. Man könnte sagen, dass unsere Gesellschaft, unser Wohlstand aufgrund der Gewerbewirtschaft entstehen konnte. Es ist wichtig, die Gewerbewirtschaft zu fördern, zu hegen und zu pflegen, damit wir unserem Wohlstand aufrecht erhalten können. Sicherlich sind dafür diverse Vorschriften, Gesetze und Verordnungen einzuhalten. Aber die unterschiedlichen Gewerbe unterstützen sich bei dieser Angelegenheit gegenseitig. Frei nach dem Motto „Eine Hand wäscht die andere.“